Speisequark zur Farbenherstellung

Speisequark als natürliches Farbherstellungsmittel Interessengemeinschaft Bauernhaus zeigte während Seminar, wie umfeltfreundlicher Anstrich möglich wird

RIEPEN. Die Schaumburger Gruppe der Interessengemeinschaft Bauernhaus e. V. (IGB) veranstaltete am Wochenende ein zweitägiges Seminar zum Thema Naturfarbenherstellung. Zahlreiche Liebhaber alter Fachwerkhäuser ließen sich zeigen, wie man umweltfreundliche Farbe nach überlieferten Verfahren selber macht.

Treffpunkt der Bauernhausfreunde war am Sonnabend das Anwesen der Familie Döcke in der Riepener Straße. Deren geräumige Diele glich schon bald einer bunten Malerwerkstatt. Noch in der hintersten Ecke des großen Raumes wurde eifrig gemischt, gerührt und gepinselt. Ziel der Seminarteilnehmer war es zu erlernen, wie man aus natürlichen und ungiftigen Rohstoffen dauerhafte Wandfarben herstellt, um dann in Zukunft weitestgehend auf die handelsüblichen Produkte verzichten zu können. Herkömmliche Wandfarbe, so erfuhren die Seminarteilnehmer, enthalte neben diversen Chemikalien als Pigementstoff Titandioxid, bei dessen Produktion pro Kilogramm acht Liter Dünnsäure anfielen. "Beim Streichen eines normal großen Zimmers macht das schon 20 bis 30 Liter aus", rechnete Gert Ziesemann, fachlicher Lehrgangsleiter, vor. Das giftige Abfallprodukt müsse dann für viel Geld anschließend entsorgt werden. Die von ihm aufgezeigte Alternative sieht die Verwendung von Naturprodukten wie Kreide, Kalk oder Leinöl vor. Diese Stoffe werden als Bindemittel mit Speisequark gemischt und anschließend mit Erdpigmenten vesetzt. Letztere werden aus gemahlenen Steinen gewonnen und sorgen beim Anstrich für den gewünschten Farbton. Auf die Idee mit dem Quark sind nach Aussage von Herrn Ziesemann bereits die alten Hebräer gekommen. Das Milchprodukt enthält Kasein, einen natürlichen Käsestoff, der durch den Zusatz von Borax enorme Bindekraft entfaltet. Die entstehende Farbe ist somit frei von jeglichen Konservierungsstoffen, was sie als besonders umweltgerecht kennzeichnet. Die IGB, die sich als Zusammenschluß der mit der Baudenkmalspflege befaßter Bürger versteht, will auch in Zukunft für ihre Mitglieder regelmäßig Praxisseminare abhalten. Manfred Röver, Leiter der Schaumburger Gruppe: "Unser erklärtes Ziel ist, neben der Vermittlung alter Fertigkeiten und Techniken auch die Erforschung traditioneller Baustile." Die Hauptschwierigkeiten alter Bauten sei es, bei der Erhaltung von so viel Bausubstanz wie möglich trotzdem den modernen Anforderungen und Bedürfnissen gerecht zu werden.

Aus: Schaumburger Zeitung, Juni 1991