Informationen zur
Untergrundvorbehandlung |
Diese Information gilt für den Lesando Streichputz Furioso, aber analog auch für den Anstrich von Gipsplatten mit Wandfarben.
„Verspachtelte Gipskarton-
und Gipsfaserplatten sind
Sonderfälle!“
Durch die Notwendigkeit verkürzter Bauzeiten hält der Trockenbau nach wie vor starken Einzug im Hausbau. Diese schnelle und rationelle Bauweise soll „tapezierfertige“ oder „streichfertige“ Oberflächen auf einfache Weise schaffen. Hier beginnen aber bereits die ersten Probleme.
Immer häufiger treten in
letzter Zeit Fälle auf, bei denen kein flächeneinheitliches Bild nach dem
Anstrich oder Überputzen von verspachtelten Trockenbaustoffen erzielt wurde.
Teilweise kennt man solche Sachverhalte sogar von einigen Tapeten. Dieses
„Problem“ zieht sich quer durch alle Hersteller- und Produktlisten. Auch das
Deutsche Malerblatt, führendes Fachmagazin für das Malerhandwerk, hat in seiner
Ausgabe vom Mai 1999 darüber ausführlich berichtet.
Der
Grund für diese unangenehme Erscheinung ist im unterschiedlichen Saug- und Diffusionsverhalten der verspachtelten
Fugenbereiche (Plattenstöße) im Vergleich zur Plattenfläche zu sehen. Im
Bereich der Spachtelung steht dem aufgebrachten Material das Wasser in anderer
Weise zur Verfügung als auf der Plattenfläche, die unterschiedlich saugt im Vergleich zur Fuge. Dadurch können
Farbveränderungen sichtbar werden.
Dieses
Problem wurde von verschiedenen Herstellern von Trockenbauplatten erkannt.
Daher ergeht auch von dieser Seite eine als
„Warnung“ aufzufassende
Empfehlung, den Untergrund entsprechend vorzubehandeln. Zwar wird hin und
wieder auch angemerkt, daß eine Grundierung bei Anstrichen (hier aber nur dann,
wenn mindestens zwei Anstriche
vorgenommen werden!) oder Dünnputzen nicht unbedingt erforderlich ist, jedoch
wird diese Grundierung bei „hochwertigen“ Anstrichen dringend empfohlen.
Hochwertig heißt hier nichts anderes als „zufriedenstellendes Ergebnis“.
Die
Hauptaufgabe heißt also zunächst, Saugunterschiede zu egalisieren (da das
Spachtelmaterial eine andere Zusammensetzung hat als die Oberfläche der Platte
und sich demzufolge auch anders verhält!). Dies geschieht in aller Regel durch
Grundierungen wie den Putzgrund LESANDO-Preludio. Aber auch hier ist es von entscheidender Bedeutung,
daß nach dem Auftragen von LESANDO-Preludio ein sog. „flächeneinheitliches
Bild“ vorliegt, d.h. es dürfen keine Spachtelstöße, Schraubköpfe etc. mehr
sichtbar sein. Daher ist auf einen möglichst gleichmäßigen und satten Auftrag zu achten. Bei Dünn- oder
Streichputzen wird empfohlen, u.U. auch einen zweiten Anstrich mit LESANDO-Preludio vorzunehmen.
Ein
nicht zu unterschätzendes Problem ist auch die Qualität der Verarbeitung bei
der Montage und Verspachtelung solcher Untergründe. Wo oftmals ein nicht
ausreichender Anstrich vermutet wird, liegt die Ursache in unsauberer Verspachtelung oder nicht
fluchtgerecht montierten Platten mit leicht überstehenden Plattenstößen. Kommt dann noch sog. „Streiflicht“
(Licht, das von der Seite auf die Fläche fällt) dazu, werden
Verarbeitungsfehler sichtbar, die im unbehandelten Zustand absolut nicht zu
erkennen waren.
Gerade
die minimalen Überstände an Plattenstößen sorgen immer wieder für ein
überraschendes Ergebnis nach Beendigung der Anstricharbeiten. Es ist daher
nicht verwunderlich, daß für eine hochwertige und exakte Ausführung von
Anstrichen auf Gipsbauplatten i.d.R. mindestens drei Spachtel- und Schleifgänge
notwendig sind. Daß dies dem privaten und auch manchem gewerblichen Anwender
zuviel ist, zeigt sich hinterher beim Ergebnis mit dem Anstrichmaterial.
2.
) Anstriche mit LESANDO-Furioso
Geübte
Anwender können durchaus in der Lage sein, auch ohne Grundierung auf solchen
Untergründen zu arbeiten, unter der Voraussetzung, daß LESANDO-Furioso gestrichen wird, da nur hier der entsprechende
Mengenauftrag gewährleistet ist. Es muß jedoch damit gerechnet werden, daß sich
Plattenstöße und sonstige Spachtelstellen auch nach zweimaligem Anstrich mit LESANDO-Furioso abzeichnen können. Wer sicher gehen will, daß dies
nicht auftritt, der sollte mindestens einen flächendeckenden Anstrich mit der
Putzgrundierung LESANDO-Preludio vornehmen. Jedoch sollte auch hier darauf geachtet
werden, LESANDO-Furioso nicht zu dünn aufzustreichen, nach Beendigung der
Streicharbeiten muß sich eine deutlich sichtbare Streichstruktur einstellen.
Eine
sichere Methode ist das Grundieren von Trockenbauplatten mit LESANDO-Preludio und anschließendem Überstreichen mit
LESANDO-Furioso, wobei hier in aller Regel auch ein Anstrich mit
LESANDO-Furioso genügt. Der Arbeitsaufwand bleibt also gleich, die
Kosten erhöhen sich nicht wesentlich, da der Materialbedarf für LESANDO-Furioso auf Untergründen, die mit
LESANDO-Preludio vorbehandelt wurden auch etwas geringer ist als auf
unbehandelten Untergründen. Dennoch sollte auf einen satten Streichputzauftrag
geachtet werden (ca. 100 gr/m² pro Anstrich).
Werden
wolkige Anstriche mit zwei verschiedenen Farbtönen aufgetragen, reduziert sich
der optische Mangel automatisch, da die Fläche selbst etwas unruhig bzw.
lebhaft wirkt. Völlig auszuschließen ist das Abzeichnen der Spachtelstöße
jedoch nicht.
Anstriche
mit LESANDO-Furioso Basis 10 (premiumweiß) haben aufgrund des
Pigmentanteils eine höhere Deckkraft als Basis 20 (naturweiß). Auch das sollte
beim Überstreichen berücksichtigt werden. Wird der erste Auftrag ordnungsgemäß
mit LESANDO-Preludio durchgeführt, kann der zweite Anstrich farblich frei
gewählt werden. Bei sehr starken Farbunterschieden zwischen LESANDO-Preludio (weiß) und dem nachfolgenden Anstrich ist auf
ausreichende Überdeckung des Korns der Grundierung zu achten. Die Deckkraft der
Anstriche mit LESANDO-Furioso wird durch eine Reduzierung der Wasserzugabe erhöht.
Bei einfarbigen Anstrichen sollte darauf aufmerksam gemacht werden, daß aufgrund der „Handarbeit“ beim Auftragen immer eine leichte Schattenwirkung („Wolkanstrich“) zu sehen sein wird, wobei das Ausmaß dessen von der Verarbeitungstechnik, dem Anwender selbst und selbstverständlich auch von der Qualität des verwendeten Werkzeugs abhängt. Auch darf die zu bearbeitende Fläche nicht zu groß gewählt werden, wenn man alleine arbeiten möchte. Dadurch vermeidet man die sog. „Ansätze“, sichtbare Stellen also, bei denen der Anstrich fortgeführt wurde, die zuvor bearbeitete Stelle aber bereits an- oder abgetrocknet war. Dadurch ergibt sich ein Strukturunterschied in diesen Bereichen durch eine höhere Konzentration an Festkörpern bzw. Deckgradunterschiede.
Gemäß
der allgemeinen Definition eines
Streichputzes muß beim Anstrich auch etwas „sitzen“ bleiben an der Fläche,
da die Deckkraft entscheidend von der aufgebrachten Menge des Feinsandanteils
und Naturlehms abhängt. Die LESANDO-Lasurbürste sollte in diesem Fall kaum hörbar über
die Fläche gleiten, keinesfalls den Streichputz „auf Null ausstreichen“. Das
Korn muß sich gleichmäßig über die Fläche verteilen, es sollten also keine
Ansammlungen von Körner einerseits und lediglich der milchige Anstrich
andererseits zu sehen sein.
Auch
bei der Verwendung von Farbwalzen ist auf eine gleichmäßige Kornverteilung auf
der Fläche zu achten! Die Möglichkeiten der Strukturgebung sind erfahrungsgemäß
beim Aufwalzen geringer, weshalb auch die Deckkraft bei der Verarbeitung mit
der Lasurbürste besser ist.
Immer
häufiger hat man es auch – trotz mehrerer Anstriche, auch mit LESANDO-Preludio – mit einem weiteren Phänomen aus dem Bereich der
Trockenbaustoffe zu tun – der „Vergilbung“.
Dabei werden bestimmte Inhaltsstoffe aus (meist) Gipskartonplatten gelöst, die
von wasserhaltigen Systemen nicht überdeckt werden können. Hier hilft nur eine
Grundierung mit LESANDO-Primero, dem Naturharzsperrgrund. Der Grund für diese
„Vergilbung“ ist u.a. in einer längeren Sonneneinstrahlung zu sehen. Auch bei
Wasser, Ruß-, Fett- oder Nikotinflecken hilft ausschließlich LESANDO-Primero, eine Grundierung mit
LESANDO-Preludio ist zum Abdecken dieser Flecken nicht ausreichend.
Gipskartonplatten
unterscheiden sich von Gipsfaserplatten durch die Oberfläche, wobei die
Gipskartonplatte deutlich glatter ist. Werden Gipsfaserplatten nur im
Stoßbereich verspachtelt und sollten anschließend überstrichen werden, so
bleibt auch bei einem relativ gut füllenden Anstrich wie LESANDO-Furioso die Gefahr, daß sich die unterschiedlichen
Untergründe (verspachteltete Fläche – „rauhe“ Gipsfaserfläche) abzeichnen.
Daher Probeflächen durchführen oder Gipsfaserplatten vollständig abspachteln.
Mit steigender Anzahl der Anstriche verringert sich dieser optische Mangel
zusehends. Wo u.U. ein Abzeichnen der Fugen vermutet wird, kann die Ursache in
der unterschiedlichen Beschaffenheit des Untergrundes selbst liegen.
Mittlerweile
gibt es eine nicht mehr zu überblickende Vielfalt an Fugen- und Spachtelmassen
bis hin zum Fugenkleber. Eine Aussage zu treffen, die allgemein gültig für alle
Untergründe, alle Spachtelmassen und alle Grundierungen ist, kann weder von LESANDO
noch von irgendeinem anderen Hersteller von Beschichtungssystemen gemacht
werden. Unsere Aussagen sind daher allgemeiner Natur und dienen lediglich als
Richtwerte. In jedem Falle empfehlen wir, vor der endgültigen Ausführung –
gleich welcher Art – Probeflächen von
aussagekräftiger Größe anzusetzen, um die ideale Vorgehensweise
festzulegen.
Es bleibt festzuhalten, daß
Trockenbaustoffe sicher Vorteile im Bezug auf Baukosten, Montagezeiten etc.
haben, daß sie aber für dünnlagige Beschichtungen (also Anstrich bis hin zu
Fein- und Mittelkornputzen) echte
„Problemfälle“
darstellen.
Dabei scheint es unerheblich, ob mit „alternativen“ oder „herkömmlichen“
Materialien gearbeitet wird.
Die
in den vorangegangenen Punkten angesprochenen Problemzonen gelten auch für
Naßputzflächen, die ausgebessert wurden, nachträgliche Beiputzarbeiten etc.
sowie für alle Untergründe, die nicht durchgängig einheitlich sind.
Juli2000