Lexikon

KASEIN

Milcheiweiß (Käsestoff), Ausgangsprodukt für Kaseinfarben. Das aus Milch gewonnene gelbliche Pulver wird für Anstrichzwecke alkalisch aufgeschlossen durch Ammoniak, Borax oder Kalk. Anstriche auf Putzflächen oder Stein werden z. B. mit alkalisch aufgeschlossenem Kaseinleim als Bindemittel ausgeführt. Der einfache Kaseinanstrich, heute nur noch bei Restaurierungsarbeiten eingesetzt, ist zwar nicht wetterbeständig, aber viel wasserfester als etwa Leimfarbenanstriche. Wetterbestän-dige Kaseinanstriche sind möglich durch Verwendung von Kalkkasein. Kasein kann auch als Hilfsstoff (Stabilisator und Emulgator) bei der Verarbeitung von Ölen, Alkydharzen und Harzlösungen zu Anstrichemulsionen, sowie als Verdickungsmittel für Kunstkautschuk- dispersionen dienen.

KASEINFARBEN

Im Malerhandwerk nicht mehr verwendete, nahezu waschbeständige Innenanstrichstoffe; in Spezialrezepturen noch für Restaurierungsarbeiten (Kirchenmalerei) eingesetzt.

KASEINTEMPERA

Eine Temperafarbe, deren Bindemittel eine Emulsion aus mit Borax aufgeschlossenem Kasein und Leinölfirnis ist. Verwendung früher zur Wand- und Plakatmalerei.

KALKKASEINFARBEN

Auf frischem Kalkputz besonders haltbare Anstrichstoffe, deren Bindemittel eine Mischung von Kalkfarbe und Milchsäurekasein darstellt. Effekt wie Kalkfarbenanstrich, jedoch verbesserte Wetterbeständigkeit. (Gut erhaltene Fassadenanstriche aus früheren Jahren zeugen noch heute von der Brauchbarkeit dieser, außerhalb der Denkmalspflege kaum mehr eingesetzten Technik.)

KALKKASEIN

Wird das an sich wasserunlösliche Kasein mit Kalkhydrat in Wasser verrührt, so wird es alkalisch aufgeschlossen, d. h. wasserlöslich, und es bildet sich Kalkasein. Dieses ist als Bindemittel für Anstrich- und Malfarben geeignet und besonders auf frischem Kalkputz haltbar. Früher waren Kalkkaseinanstriche aus Mischungen von Kalkbrei und Quark üblich, die wetterbeständige Filme ergaben.