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Farben zum Selbermachen - Verfahren mit natürlichen und ungiftigen Rohstoffen
KASEINFARBEN
Aus alten hebräischen Texten geht hervor, daß schon damals der Quark für den Herbstbesuch des Malers aufgehoben wurde, und die Erdfarben aus dem Gebirge geholt wurden. Vor dem Erntedankfest wurde alles frisch gestrichen. Mit Kaseinmörtel, bestehend aus Quark, Sand und gelöschtem Kalk wurden Kirchen und Stadtmauern erbaut. Kaseinleim, hergestellt aus Quark und Kalk, benutzten die altägyptischen und chinesischen Handwerker für die feinsten Tischlerarbeiten, Theophilus, ein Mönch aus dem 11./12. Jahrhundert, gibt ein genaues Rezept zur Herstellung eines wasserfesten Leimes aus Käse. Auch die Farben für die prähistorischen Malereien enthielten vermutlich Kasein als Bindemittel. Es ist sehr naheliegend - denn den Rohstoff gibt es, seit dem es Säugetiere gibt.
Kasein ist als natürlicher Käsestoff in der Milch enthalten. Mit Lab wird das Kasein aus der Magermilch ausgefällt und wird dann zu Magerquark. Magerquark hat nach der letzten Käseverordnung einen Kaseingehalt von 11 %. Kasein enthält mehr als 20 Aminosäuren - chemisch ein sehr kompliziertes Gebilde - biologisch ein einfacher Rohstoff. Kasein allein hat noch keine Bindekraft. Erst durch den Zusatz von z. B. Borax entsteht ein Kaseinleim von außerordentlicher Festigkeit. Dieser Kaseinleim bindet die Kreideteilchen untereinander und auf dem Untergrund.
SO VERGIFTEN WIR DIE NORDSEE FÜR UNSERE WEIßEN WÄNDE!
Herkömmliche Wandfarbe ist eine Mixtur aus Wasser, Testbenzin, Biozide, Acryl, Alkohol, Polyvinylacetat und als Pigment Titandioxid und teilweise Kreide. Bei der Produktion von 1 kg Titandioxid fallen 8 l Dünnsäure an, d.h. beim Steichen eines normal großen Zimmers fallen ca. 20-30 l Dünnsäure an. Diese Dünnsäure wird entweder recycelt oder in die Nordsee gekippt.
Aber auch das Titanweiß (mit Dünnsäure- recycling oder aus dem Verfahren ohne Dünnsäureanfall, dem Chloridverfahren) ist mit Problemen behaftet. Der schwermetallhaltige Sondermüll, der beim Recyclingverfahren anfällt, wird in eine von Rhein-Wasser durch- spülte Kiesgrube gekippt. Die chlorhaltigen Abwässer, die beim Chloridverfahren entstehen, sind vermutlich eine Hauptquelle für die chlorierten Kohlenwasserstoffe in der Nordsee. Darunter fallen auch krebsver- dächtige Stoffe wie Octalchlorstyrol und Hexachlorbenzol, die sich beachtlich in der Nahrungskette anreichern. (s. Zeitschrift "Natur " 10/88). Würde sich ein Löwe von Bundesbürgern ernähren, hätte er wahrscheinlich eine ähnlich hohe Konzentration von chlorierten Kohlenwasserstoffen im Fettgewebe wie ein Seehund. (Ein Meeresbotaniker aus Kiel).
ES GIBT EINE EINFACHE, ABSOLUT UMWELTSCHONENDE UND ZUDEM NOCH PREISGÜNSTIGE ALTERNATIVE:
- Kreide gemahlene Schalen von 110 Millionen Jahren alten Mirkro- organismen (Zeit der Saurier) - Wasser - Magerquark - Borax ungiftiges mineralisches Salz aus der "Steinsalzzeit", wird bergmännisch gewonnen, - ähnlich dem Kochsalz.
Zusätze von Kieselgur und Ton verhindern das Absetzen der Kreide in der angerührten Farbe und verbessern die Streichfähigkeit. Die Farbe ist verstreichbar wie herkömmliche Wandfarbe. Kaseinfarbe ist im Gegensatz zu Leimfarbe überstreichbar. Im Versuch bin ich bei 19 Malschichten angelangt, ohne daß eine Rißbildung oder ein Abplatzen eintritt. Die Kaseinfarbe ist für trockene Untergründe in trockenen Räumen hervorragend geeignet. Die Trocknung findet durch Wasserverdunstung statt. Wischfest ist sie nach 2 - 3 Stunden.
UNTERGRÜNDE:
Der Untergrund muß trocken, fettfrei, tragfähig, saugfähig und sauber sein. Rauhfaser und andere Tapeten erfordern keine besonderen Vorarbeiten. Alte (Kunststoff-) Dispersions- farbenanstriche nur abfegen. Holz siehe Kaseintempera. Kalk, Kalkzement, Gips oder Lehmputze müssen grundiert werden. Eine Grundierung soll die Saugfähigkeit des Untergrundes vermindern und egalisieren. Wird zu wenig oder gar nicht grundiert, wandert das Bindemittel (z. B. der Kaseinleim) in den Untergrund. Es ist dann nicht mehr genug Bindemittel für die Pigmente vorhanden, so daß die Farbe kreidet. Eine gute Grundierung ist mit einer zwei- bis vierfachen mit Wasser verdünnten Quark/Borax-Mischung zu erreichen, oder mit Kreidezeit Kaseingrundier-rmittel (auch für Wandlasuren geeignet). Wischende oder streifige Anstriche sind die Folge einer nichtgenügenden Grundierung. Test: Etwas Wasser gegen den Putz spritzen. Zieht das Wasser blitzschnell ein, muß kräftig grundiert werden. Das Wasser soll nur langsam einziehen. Bei sehr glattem Gipsputz empfiehlt sich zur Verbesserung der Haftfähigkeit vor der Grundierung ein Anschleifen mit grobem Sandpapier.
SONSTIGE TIPS:
In der Regel genügt auf Grund der sehr hohen Deckfähigkeit ein Anstrich. Die beste Verarbeitungstemperatur liegt bei 10 - 18 °C, zügig arbeiten. Am Eimer angetrocknete Farbe nicht wieder einrühren. Rolle oder Quast einen Tag vorher in Wasser quellen lassen und vor Gebrauch ausschwenken. Weiße Farbreste können in begrenztem Maß auf den Kompost geworfen werden. (Düngeempfehlung in einem landwirtschaftlichen Standartwerk 2 - 3 kg Borax/ha).
ABTÖNEN:
Kaseinfarben sollten aus ökologischen Gründen nur mit Erdfarben oder ungiftigen Mineralpigmenten, die wir auch anbieten, abgetönt werden. Näheres siehe Farbton- tabelle.
DAS ANRÜHREN:
Bei bereitgestellten Behältern und Materialien dauert das Anmischen mit Bohrmaschine und Quirl ca. 3 - 4 Minuten. Kaseinfarbe wird je länger sie steht immer dünnflüssiger. Am besten ist es sie unmittelbar nach dem Anmischen zu verstreichen. Sie hat dann die Konsistenz einer gut zu verarbeiteten Wand- farbe. Beim Anrühren immer ein sauberes Gefäß benutzen. Das Anmischen von Hand dauert 10 - 15 Minuten und geht gehörig in die Arme.